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+++ Afrika: Mit schlauen Frauen aus der Armut +++
23.06.2010
Afrikas Bevölkerungsprognosen bieten Aussicht auf wirtschaftlichen Aufschwung. Im Fußball ruhen in den nächsten Wochen die afrikanischen Hoffnungen auf den WM-Teilnehmern Südafrika, Algerien, Elfenbeinküste, Kamerun und Nigeria und natürlich ganz besonders auf Ghana, das heute Abend antreten wird. Auch in demografischer Hinsicht stehen diese Länder exemplarisch für die Herausforderungen vor denen der afrikanische Kontinent steht - aber auch für die Chancen, die sich ihm eröffnen. „Aus demografischer Perspektive haben die afrikanischen Staaten in den kommenden Jahrzehnten die historische Chance die Armut zu besiegen – sofern die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, fasst Prof. Michael Heise, Chefvolkswirt und Leiter Unternehmensentwicklung der Allianz die Ergebnisse des neuesten „Allianz Demographic Pulse“ zusammen.

Die sechs afrikanischen WM Teilnehmerländer zählen zu den bevölkerungsreichsten Staaten Afrikas. Allerdings sind die Größenunterschiede beeindruckend: Die Bevölkerung Nigerias ist mit 158 Millionen mehr als dreimal so groß, als die des Gastgeberlandes Südafrikas, das laut der letzen Zählung knapp 50 Millionen Einwohner hat. Aber auch ansonsten steht der afrikanische Kontinent für riesige Unterschiede zwischen den Ländern im Norden und Süden einerseits und den zentralafrikanischen Ländern andererseits, ganz besonders hinsichtlich Geburtenrate, Wirtschaftskraft und Bildung.

Zwischen der Wirtschaftskraft der einzelnen afrikanischen Länder und den jeweiligen Geburtenraten besteht folgender Zusammenhang: je höher das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, desto niedriger die durchschnittliche Geburtenrate. Während die meisten der afrikanischen Länder, in denen das Bruttoinlandsprodukt weniger als 1000 US Dollar pro Kopf beträgt, Geburtenraten von mehr als fünf Kindern pro Frau verzeichnen, liegen sie in den reicheren nord- und südafrikanischen Ländern wie Ägypten, Algerien, Marokko, Botswana und Südafrika unter drei Kindern. Der Zusammenhang zwischen Geburtenraten und Wirtschaftskraft besteht jedoch nicht nur in Entwicklungsländern. Setzt man Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Geburtenraten der einzelnen Länder weltweit ins Verhältnis zueinander, zeichnet sich dieser Zusammenhang noch weitaus schärfer ab. Die reichsten Länder wie die Schweiz, Deutschland oder Japan haben die niedrigsten Geburtenraten weltweit. Es gibt einen eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen Wohlstand und Geburtenrate. Der Rückgang der Geburtenrate folgt der Wirtschaftsentwicklung häufig mit zeitlicher Verzögerung.

Da in den meisten Ländern die Kindererziehung nach wie vor bei den Frauen liegt, ist zudem in der Regel die Geburtenrate um so niedriger, je höher das Ausbildungsniveau der Frauen ist. Frauen in den afrikanischen Ländern mit hoher Alphabetisierungsquote haben tendenziell weniger Kinder als in den Ländern, wo die Alphabetisierungsquote unter den Frauen geringer ist. Zum Beispiel in Südafrika, wo rund 90% der Frauen Lesen und Schreiben können, liegt die Geburtenrate bei 2,5 Kindern während sie im Tschad, wo immer noch rund 80% der Frauen Analphabeten sind, bei 6,3 Kindern liegt. „In den vergangenen Jahren wurde in den meisten afrikanischen Ländern verstärkt in die Schulbildung von Mädchen und jungen Frauen investiert. Zum Beispiel Nigeria, ein Land in dem die Alphabetisierungsquote bei den Männern bei 71,5%, aber nur bei 48,8% bei den Frauen liegt, hat mit Blick auf das erklärte Ziel - die Geburtenrate alle fünf Jahre um mindestens 0,6 Kinder pro Frau zu senken - inzwischen der Schulbildung von Mädchen einen noch höheren Stellenwert eingeräumt“, sagt Heise. Vor dem Hintergrund dieser positiven Entwicklungen geht unter anderem auch die UN davon aus, dass der rückläufige Trend bei den Geburtenraten in Afrika anhält.

Diese demografischen Entwicklungen können künftig – gewissermaßen selbstverstärkend – den wirtschaftlichen Aufholprozess beschleunigen, vor allem im Norden und Süden des Kontinents. Afrika hat in den nächsten Jahren damit eine einmalige Chance, die Armut zu besiegen. Denn eine sinkende Geburtenrate in einer zuvor sehr kinderreichen Gesellschaft hat die Konsequenz, dass in den folgenden Jahrzehnten der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung wächst. Der „produktive Teil“ der Gesellschaft muss so deutlich weniger wirtschaftlich Abhängige, das heißt Kinder oder alte Menschen versorgen. Der „Allianz Demographic Pulse“ spricht in diesem Zusammenhang von dem Vorteil einer „Demografischen Dividende“. Darüber hinaus ist dafür aber auch mehr politische Stabilität und eine Fortsetzung des wirtschaftspolitischen Reformkurses notwendig.

Die westlichen Länder haben allen Grund, die Anstrengungen in Afrika nach Kräften zu unterstützen. Denn ein prosperierendes Afrika kann entscheidend dazu beitragen, die Effekte einer alternden Gesellschaft im globalen Maßstab zu dämpfen. Afrika verdient in unserem eigenen Interesse unsere volle Aufmerksamkeit, nicht nur, wenn dort Fußball gespielt wird.






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