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+++ Risiken aus Naturkatastrophen wachsen +++
14.11.2012
Wirbelsturm Sandy zeigt aktuell, welche Folgen Naturkatastrophen haben können. „Die Schuldenkrise und ein bisher relativ naturkatastrophenarmes Jahr haben den Klimawandel und Naturkatastrophen auf der politischen und öffentlichen Agenda in den Hintergrund gerückt“, stellt Amer Ahmed, CEO der Allianz Re, fest.

Die Allianz warnt davor, die wachsenden Risiken von Naturkatastrophen zu unterschätzen. Dabei spielen sozio-ökonomische Faktoren wie die Zunahme versicherter Vermögenswerte weltweit und die fortschreitende Besiedelung in gefährdeten Regionen eine wichtige Rolle. Diese werden zusammen mit der zunehmenden Frequenz und Stärke von Wetterereignissen für höhere Schäden sorgen. „Wir müssen gemeinsam mit dem öffentlichen Sektor unsere Vorsichtsmaßnahmen verstärken, um auf mehr Sturm-, Starkregen und Hagelereignisse vorbereitet zu sein, auch in Deutschland. Sonst werden die versicherten und nicht-versicherten Schäden in vielen Regionen weltweit weiter steigen“, ergänzt Ahmed.

In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Auszahlungen an Kunden für wetterbezogene Versicherungsschäden um das 15-Fache gesteigert. Naturkatastrophen verursachen aber nicht nur lokal große Schäden, sie sorgen aufgrund der globalen wirtschaftlichen Vernetzung zunehmend für weltweite Kettenreaktionen. Unwetter wie die Flut 2011 in Thailand sind mit 51 Prozent der häufigste Auslöser für Betriebsunterbrechungen durch Lieferantenausfälle. Sorge bereitet vor allem die Konzentration auf regionale Zulieferer wie sie in der Automobil- und Elektronikindustrie verbreitet sind: „Der Ausfall von wichtigen Zuliefern durch ein lokales Katastrophenereignis kann Unternehmen weltweit treffen und damit auch mehrere unserer Versicherungsnehmer“, erklärt Volker Münch, Sachversicherungsexperte bei Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). „Dieses Kumulrisiko müssen wir für uns berechenbarer machen. Daher brauchen wir mehr Einblicke in das Lieferanten-Risikomanagement unserer Industriekunden.“

Grenzen der Versicherbarkeit – Lehren aus der Vergangenheit

Die volkswirtschaftliche Aufgabe der Versicherer ist es, die zunehmenden Risiken und nachhaltiges globales Wachstum abzusichern. „Ein Schlüssel für Lösungen liegt in unseren Lehren aus der Vergangenheit“, erklärt Richard Hewitt, Analyst und Senior Consultant bei der Allianz. „Der Rückblick zeigt, wo Trends zu spät erkannt, Kundenbedürfnisse übersehen oder Abhängigkeiten unterschätzt wurden.“ So hatten die Betriebsunterbrechungen nach der Flut in Thailand und dem Erdbeben in Japan 2011 deutlich gemacht, dass den Unternehmen und ihren Versicherungspartnern zu wenig Daten über die Risiken in globalen Lieferketten zur Verfügung standen.

Der Rückblick und eine Befragung von Allianz Experten zeigt auch: Die Rangliste der Risiken hat sich nach 1990 kaum verändert, Naturkatastrophen waren und bleiben das größte versicherbare Risiko. „Wir werden mehr von den gleichen Risiken sehen, mehr Naturkatastrophen mit komplexeren Schäden“, so Hewitt.

Hurrikan Andrew 1992 in Florida war mit 25 Milliarden US-Dollar die bis dahin teuerste Naturkatastrophe für die Versicherer. Andrew brachte Versicherer an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit und löste Entwicklungen in allen Bereichen aus: Neue Katastrophensimulationen und Risikomodelle wurden entwickelt, mehr Daten gesammelt und analysiert, Risiken besser diversifiziert und gestreut, Rückversicherungskapazitäten ausgebaut und der Kapitalmarkt mit sogenannten „NatCat (Naturkatastrophen)-Bonds“ erschlossen. In den Jahren 2005 und 2006 verursachten die Stürme Katrina, Rita und Wilma einen Versicherungsschaden von 97 Milliarden US-Dollar, viermal so hoch wie der von Andrew. Aber die neuen Instrumente zeigten Wirkung: Wurde die Kapitalstärke der Versicherer nach Andrew doppelt so stark geschwächt wie in Durchschnittsjahren, lag dieser Wert nach Katrina, Rita und Wilma sogar 40 Prozent unter diesem Durchschnitt.

Dächer und Fassaden schützen

Wurden in der Vergangenheit potentielle Schäden allein von Mathematikern mit historischen Schadenstabellen berechnet, nutzt die Allianz heute ausgefeilte Computerprogramme. Wissenschaftliche, technische und finanzielle Daten werden so kombiniert, dass Risiken besser identifiziert und quantifiziert werden können. Dies wird in den Modellen über verschiedene Faktoren abgebildet: die Gefahrenkomponente, die die Charakteristik des jeweiligen Ereignisses beschreibt; die Schadenanfälligkeit der versicherten Werte, gemessen an Bauweise, Größe und Alter eines Gebäudes; und schließlich kommt die geographische Information über den Ort des versicherten Wertes hinzu. „Entscheidend ist die Genauigkeit der Angaben. Nur dann können die Simulationen zuverlässige Ergebnisse für die Beratung und den angemessenen Versicherungsschutz unserer Kunden liefern“, erklärt Markus Stowasser, Meteorologe der Allianz Re. „Um Risiken zu reduzieren, raten wir unseren Kunden, Dächer und Fassaden mit neuen, empfindlichen Wärmedämmungen besser zu schützen und bei Sanierungen älterer Häuser die Ausrichtung der Fronten und Dächer den aktuellen Bauvorschriften anzupassen.“

Zwei Beispiele veranschaulichen die neuen Ansätze:

Starkregen wird in Europa zunehmend für Schäden sorgen. In Zusammenarbeit mit dem MET-Office, dem britischen Wetterdienst, konnte die Allianz die Risikomodelle für Starkregen in Norditalien in einer Qualität verbessern, wie sie der Industrie bisher nicht zur Verfügung standen. Dafür wurden die Schadendaten der Regenkatastrophe von 2007 mit stark verfeinerten Wetterdaten und -prognosen für die Region kombiniert.

Naturkatastrophen treffen Asien 25-mal so häufig wie Europa. Gemeinsam mit der European Space Agency (ESA), den deutschen und schweizerischen Entwicklungsagenturen giz und DEZA und weiteren Partnern hat die Allianz eine radarbasierte Satellitenanalyse für Reisfelder entwickelt (Remote sensing-based information for crops in emerging economies RIICE). Erstmals liefert diese neue Technologie zuverlässig, großflächig und kostengünstig Daten für die Ernteversicherung. Ab 2013 kann damit in asiatischen Ländern das Einkommen auch von Kleinbauern vor Missernten geschützt werden. Quelle: Allianz




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